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Seit dem Erscheinen von Edmund de Waals Bestseller "Der Hase mit den Bernsteinaugen", der das außergewöhnliche Schicksal der Familie Ephrussi anhand einer NETSUKE-Sammlung erzählt, ist dieser Begriff einer breiten Öffentlichkeit bekannt. NETSUKE sind japanische Miniatur-Schnitzereien. Sie dienten einst als Gegengewicht zur Befestigung eines "Sagemono", eines hängenden Behältnisses, wie z. B. eines "Inrõ", einer flachen, kleinen, mehrteiligen Lackholzdose am "Obi", dem Gürtel des taschenlosen Kimono. NETSUKE-Figuren sind mit zwei Löchern, den sogenannten "Himotoshi", zum Durchziehen einer Schnur versehen. Hergestellt wurden NETSUKE ab dem ausgehenden 17. Jahrhundert mit dem Erstarken des Bürgertums und hielten sich bis in die 1880er Jahre, als der Kimono beim japanischen Mann als Alltagskleidungsstück außer Gebrauch geriet.

In der Münchner Sammlung des Würzburger Arztes, Japan- und Naturforschers, Ethnologen, Botanikers und Sammlers Phillipp Franz von Siebold (1796 -1866) befinden sich über 50 NETSUKE, die er bei seiner zweiten Reise (1859 -1862) ins Land der aufgehenden Sonne sammelte und mitbrachte. Viele der kleinen japanischen Miniatur-Schnitzereien stellen mythologische Figuren, insbesondere Glücksgötter, Tiere, Früchte, sowie Gegenstände und Szenen aus dem Alltag dar.

Ausgewählte Objekte der Ausstellung

DracheHoteiBenkei ruht auf der Glocke von MiideraKnaben und MaskenEbisu vor ReiskorDie zwölf Tiere des ZodiakusEin Paar auf der BambusbankKurtisanen Tsukasa und Tsuhima aus dem Ôgi-ya-HausKurtisane Tetori – die Erfahrene

Während NETSUKE anfänglich meist aus Wurzelholz ge- schnitzt waren, wurden sie später aus den verschiedensten Materialien hergestellt, vor allem aus Efenbein und Hirschhorn, aber auch aus Keramik. Früher wurden NETSUKE wegen ihrer angenehm glatten Beschaffenheit und der rundlichen Formen, im deutschen Sprachraum oft als "Handschmeichler" bezeichnet. Heute finden die japanischen Miniatur-Schnitzereien in ihrer eigentlichen Funktion nur selten Verwendung, sind aber nach wie vor bei Sammlern sehr begehrt.

Als japanischen Farbholzschnitt "ukiyo-e" bezeichnet man eine bestimmte Art von Druckgrafik, die in Japan in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Mit dieser Entwicklung des Vielfarbendruckes um 1760 in Edo (heute Tokio) entstand eine völlig eigenständige Industrie in Japan. Mehrere hundert Verleger, ebenso viele Künstler, tausende Holzschneider und Drucker fertigten in wenigen Jahrzehnten bis zum Ende der Edo-Zeit im Jahr 1868 Millionen von Drucken. Dargestellt wurden die Aufführungen des Kabuki und Bunraku, die großen und kleinen Stars der Theaterwelt und der Sumo-Arenen, Kurtisane, Szenen des Alltags, Landschaften sowie das Leben der Schönen und Reichen.

In Zusammenarbeit mit dem Museum Fünf Kontinente München, den Museen der Stadt Regensburg, dem Siebold Archiv Burg Brandenstein, der Kunstsammlung Schloss Sugenheim sowie mit privaten Leihgebern zeigt das Knauf-Museum Iphofen anlässlich des 150. Todestages von Philipp Franz von Siebold NETSUKE und ausgewählte Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts.

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