Frühe MAIN Geschichte. Archäologie am Fluss, 23. Juli bis 5. Nov. 2017

Erstmals widmet ein Museum der Archäologie am Main eine eigene Ausstellung. In der aufwändig gestalteten Sonderausstellung "Frühe MAIN Geschichte - Archäologie am Fluss" zeigt das Knauf-Museum Iphofen Archäologische Objekte aus dem Main. Der Besucher hat die Möglichkeit in der Ausstellung den Lauf des Mains von den Quellen bis zur Mündung anhand von archäologischen Exponaten zu folgen und die Geschichte der Menschen am Fluss von der Steinzeit bis in das Frühe Mittelalter zu erleben.

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Amphore aus dem Römerlager Marktbreit

Amphore aus dem Römerlager Marktbreit
Marktbreit, Kr. Kitzingen
10 v. Chr.-10 n. Chr.
Foto: Archäologische Staatssammlung München

Im Zuge von römischen Expansionsbestrebungen in der Regierungszeit des Kaisers Augustus wurde um die Zeitenwende über dem Main bei Marktbreit ein großes Doppellegionslager für 12000 Mann angelegt. Weil das Lager nach der Varuschlacht planmäßig geräumt worden ist, gibt es wenig Funde.

In Marktbreit wurden auch Teile von Amphoren gefunden, die darüber Aufschluss geben, dass die Marktbreiter Legionäre mit Olivenöl und Fischsoße aus der spanischen Provinz Baetica versorgt wurden. Bei dem hier präsentierten, sehr großen Exemplar handelt es sich um eine Weinamphore.

Sie wurde im Kommandobereich des Lagers gefunden und belegt den Import von Wein aus Mittelitalien für die hohen Offiziere. Einfache Soldaten mussten eher mit Essigwasser, der sog. "Posca" vorlieb nehmen.


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Haubenschmuck aus Grundfeld

Florentiner Goldgulden aus Willanzheim
57 Florentiner Goldgulden
Willanzheim, Kr. Kitzingen
1252-1345 n. Chr.
Foto: Staatliche Münzsammlung München

In einer Abschrift des Königlichen Landgericht Markt Bibart vom 10. Mai 1853 ist zu lesen das der Vorsteher des Ortes Willanzheim, Kaspar Käppner in dem an seinen Hause befindlichen Hofe beim Abräumen einer Dungegrube 163 alte Goldmüzen, von gleichen Gepräge gefunden hat. Dieser Fund wurde am 14. Juli in Markt Bibart vorgelegt und noch im selben Jahr verkaufte Kaspar Käppner an das Königliche Hauptmünzamt insgesamt 57 Münzen.

Es handelt sich um sogenannte Florentiner Goldgulden, eine Währung die von 1252 bis 1533 in Florenz geprägte wurde. Jede einzelne Münze besteht aus 3,54 g Feingold. Auf der Vorderseite ist das Wappenzeichen, eine Lilie der Stadt Florenz zu sehen. Die Rückseite zeigt Johannes den Täufer, den Schutzpatron der Stadt. Ab 1300 geprägte Münzen tragen alle ein Münzmeisterzeichen, das eine genaue Datierung ermöglicht. Die Prägung der Florentiner Goldgulden in Florenz endete im Jahr 1533.
Die 57 erhaltenen Münzen aus Willanzheim sind frühe Prägungen, die jüngste Münze, also die Schlussmünze des Fundes, wurde im Jahr 1345 hergestellt.

Die Lage des Ortes Willanzheim in der Nähe des Maines als wichtiger Handelroute mit einer direkten Verbindung durch den Breitbach und das dazugehörige Tal zur Via Regia, der großen Handelsstraße Karl des IV., ähneln anderen Fundorten von Münzhortfunden in Bayern.
Heute ist davon auszugehen das die Florentiner Goldgulden über Händler nach Willanzheim gelangten.


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Haubenschmuck aus Grundfeld

Haubenschmuck aus Grundfeld
10. Jh. v. Chr.
Foto: Archäologische Staatssammlung München

Dieser Haubenschmuck gehörte einer vornehmen, älteren Frau, die in der Urnenfelderzeit auf einem Gräberfeld zu Füßen des Staffelberges bestattet wurde und zu Lebzeiten wahrscheinlich auf dem Staffelbergplateau residierte. Das geschwungene, strichverzierte Bronzeblech befand sich im Kopfbereich der Toten.

Die dreifache, mit flachem Bronzedraht durchzogene Lochung im vorderen Teil des Bleches, lässt auf eine Verbindung mit einer Haube aus textilem Material schließen. Aus Frauengräbern am Obermain kamen bisher mehrere derartige, geschwungene Bronzebleche zutage. Dies lässt auf eine regionale Tracht schließen, mit der sich ältere Frauen der Oberschicht schmückten.


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Keltischer Helm

Keltischer Helm
Bergrheinfeld-Garstadt, Kr. Schweinfurt
450-370 v. Chr.
Foto: Archäologische Staatssammlung München

Der unverzierte keltische Helm vom Typ Berru wurde 1972 in den Sanden östlich des Mains bei Garstadt entdeckt. Der Helm ist in einem Stück getrieben und hatte ursprünglich oben einen Knauf. Innen sind beidseitig Bronzelaschen angenietet, an denen ehemals wahrscheinlich Wangenklappen befestigt waren.

Keltische Helme sind sehr selten und waren nur den Häuptlingen vorbehalten. Oft sind sie so aufwendig verziert, dass sie für den Kampf gar nicht tauglich waren. Man geht daher davon aus, dass die Helme vorrangig Statussymbole waren.


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Helm aus Ebing

Helm aus Ebing
Rattelsdorf-Ebing, Kr. Bamberg
Ca. 1200 v. Chr.
Foto: Archäologische Staatssammlung München

Der Kammhelm wurde 1964 700 m östlich der Kirche von Ebing, Ldkr. Staffelstein aus einer Tiefe bis zu 5 m herausgebaggert. Der Helm setzt sich aus zwei getriebenen, gewölbten Blechen zusammen, die jeweils in einem ebenen Grat enden. Beide Teile sind am Kamm durch Umbördeln des einen, etwas breiteren Grates miteinander verbunden. Der Teil mit dem breiteren Grat besitzt an seiner Unterseite beiderseits Laschen, die auf den anderen Helmteil übergreifen und durch Nieten mit spitzkonischem Kopf mit ihm verbunden sind.

Eine interessante Frage ist es, ob diese Helme dem Kampf dienten oder möglicherweise nur bei feierlichen oder kultischen Anlässen Verwendung fanden. Auffällig ist es jedenfalls, dass man sie nur als Flussfunde kennt und sie nie in Gräbern als Ausstattung der Toten begegnen.


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Pettstadter Becher Pettstadter Becher
Ende 8. Jh. n. Chr.
Foto: Fotoabteilung Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Der Becher war Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine Kiesfirma aus der Regnitz in der Nähe der Eisenbahnbrücke Strullendorf-Pettstadt gebaggert worden. Ursprünglich gehörte ein Deckel zu dem Becher, der außen zum Teil und innen komplett vergoldet ist. Das ehemals verschließbare Behältnis diente zur Aufbewahrung des geweihten Brotes nach der der Kommunion. Der Pettstadter Becher gehörte vermutlich zur Erstausstattung einer Kirche mit liturgischem Gerät im Zuge der Slawenmission.

Karl der Große hatte kurz vor 800 dem Würzburger Bischof den Auftrag erteilt, im Slawenland an Main und Regnitz 14 Pfarrkirchen zu errichten. Das edle Material spricht ebenso für den Einsatz bei der Eucharistie wie die Verzierung des Bechers. Sie zeigt eine architektonische Aufgliederung in Gestalt eines Viersäulen-Rundbaus, der in der frühchristlichen Kunst als Symbol des paradiesischen Lebensbrunnens gilt. Auch die rankenartigen Verzierungen entpuppen sich bei genauem Hinsehen, als eine von Tieren bewohnte, paradiesische Weinranken.


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Römische Minerva-Scheibe

Römische Minerva-Scheibe
3. Jh. n. Chr.
Foto: Museen der Stadt Miltenberg

Die Scheibe diente ehemals als Brustzier eines Parade-Pferdegeschirrs bei römischen Reiterkampfspielen im Kastell Miltenberg. Sie zeigt die getrieben Büste der Minerva, die in der römischen Götterwelt der griechischen Athena entspricht. Sie weist deren Attribute auf: den korinthischem Helm auf dem Kopf und das Gorgoneion mit dem Gesicht der Medusakopf auf der Brust.

Links am Rand sind die Namen MAXIMI und JUSTINI eingepunzt. Namen von Soldaten, die ehemals Besitzer der Scheibe waren. Ein dritter Name ist vorhanden, aber nicht mehr lesbar. So wurde der wertvolle Ausrüstungsgegenstand von Soldaten zu Soldat weitergereicht.


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Spätbronzezeitliches "Klappergehänge"

Spätbronzezeitliches "Klappergehänge"
"Tintinnabulum"
Frankfurt-Höchst
880-800 v. Chr.
etwa 880 v. Chr. bis 800 v. Chr.

Foto: Römisch Germanisches Zentralmuseum Mainz, S. Steidl
Ein besonderer Fund, ist das sogenannte Tintinnabulum aus Frankfurt-Höchst, das in der Zeit um 1900 am Mainufer gefunden wurde.

Möglicherweise war der rätselhafte Gegenstand, der aus einer Ringscheibe mit Stielöse und eingehängten Klapperscheiben besteht, Teil eines größeren, heute verlorenen Depotfundes. Mit großer Sicherheit gehört es in einen rituell-religiösen Zusammenhang.
Das Tinntinabulum stammt aus Westeuropa und wurde so weit von seinem Ursprungsort entfernt dem Main überantwortet.


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Experimentelle Archäologie

Experimentelle Archäologie
Nachbau von zwei Einbäumen (Pontons) mit Plattform
v.l.n.r. Markus Mergenthaler, Karl Schneider
Foto: Benedikt Feser

Im Zuge der Vorbereitung der Sonderausstellung wurden Einbäume in der Länge von 4m in der Breite und Höhe von jeweils 40 cm nachrekonstruiert und im Altmainarm zwischen Astheim um Volkach getestet. Das merkwürde Gefährt schwimmt und kann sicherlich mehrere hundert Kilogramm tragen. Lediglich das steuern gestaltete sich als sehr schwierig an besonders tiefen stellen des Maines.

Man kann davon ausgehen das diese Floßartigen Wasserfahrzeuge zu als Transportfahrzeuge dienten und z.B. für Holz oder Steintransporte auf dem Main eingesetzt wurden.


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Älteste anthropomorphe Holzfigur Bayerns Älteste anthropomorphe Holzfigur Bayerns
"Sander Götze"
ca. 2000 v. Chr.
Foto: Knauf-Museum Iphofen

Die Holzfigur wurde in den 60iger Jahren von der Schwester des Sander Kieswerkbesitzers auf einem gerade gefüllten Lastkahn entdeckt und als vermeintliche mittelalterliche Bugfigur mit nach Hause genommen. Um sie zu konservieren, wurde sie mit Lack getränkt. Erst vor kurzem wurde erkannt, dass die Figur möglicherweise von archäologischem Wert sein könnte. Um das Alter der Figur zu klären wurden von verschiedenen Institutionen Jahresring-Untersuchungen vorgenommen, die allerdings zu verschiedenen Ergebnissen kamen.

Die Werte bewegen sich im Bereich der späten Jungsteinzeit und schwanken zwischen 2463 und 1912 v. Chr. für das Fälldatum des verwendeten Eichenstammes. Eine Datierung in die Jungsteinzeit liegt auch wegen eines etwa zeitgleichen mitgefundenen Henkelbechers im Bereich des Möglichen.
Auch wenn bezüglich Datierung, Herkunft und Funktion des Sander Götzen zahlreiche Fragen offen bleiben, dürfte es sich um eine der ältesten anthropmorphen Holzfiguren Bayerns handeln.


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Weihezeremonie

Weihezeremonie
Opferszene mit Weihrauch auf einem der Obernburger Weihesteinen eines Holzfäller-Kommandos.

Bild: ArcTron 3 D GmbH/Altenthann

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